In unserer Gesellschaft geht es sich häufig darum, sich selber zu optimieren oder ins rechte Licht zu rücken. Man sieht prominente (und weniger prominente Personen), die hübsch geschminkt und frisiert fotografiert sind und das blühende Leben darstellen. Häufig wird nicht akzeptiert, dass es auch andere Phasen im Leben gibt. Viele Menschen nutzen viel Energie, um nach Außen als “normal” zu gelten und den Anforderungen zu entsprechen. So ist der Blumentopf vor der Haustüre dennoch schön bepflanzt, obwohl man sich lieber hingelegt hätte und nichts getan hätte. Und auch das Auto wird am Wochenende noch gewaschen und die Wohnung geputzt, damit keiner den Eindruck hat, dass es bei einem unordentlich und dreckig ist. Warum ist uns das alles so wichtig? Es ist nicht oder nur wenig anerkannt, dass wir Schwächen zeigen und merken, dass wir mit dem allgemeinen Tempo in unserer Zeit nicht mehr mitkommen. Es wird erwartet, dass wir den gesellschaftlichen Erwartungen entsprechen. Das bedeutet, dass wir zum Elternabend gehen, zur Betriebsfeier, unsere Freunde treffen, das Haus und den Garten in Ordnung halten, Zeit für ein Pläuschchen mit den Nachbarn haben, die Kinder gut erzogen sind und natürlich auch ordentlich angezogen sind, wir uns am besten noch ehrenamtlich organisieren und dann noch eine erfüllende und aufregende Partnerschaft pflegen. Aber diese Erwartungen sind so unrealistisch und hoch, dass viele Menschen diese nicht mehr erfüllen können.

Und hier kommt der wichtige Punkt: Wir müssen diese Erwartungen auch nicht erfüllen, denn wir selber dürfen entscheiden, was uns wichtig ist!!!!

Aber das fällt uns bekanntermaßen schwer, denn niemand möchte sich eingestehen, den Ansprüchen nicht gerecht zu werden.

Eine Psychotherapie zu beginnen, bedeutet, sich einzugestehen, dass manches nicht so läuft, wie man es gerne möchte. Es kann sein, dass merken, dass Sie nicht immer die gesellschaftlichen Verpflichtungen erfüllen möchten, aber sich im Hamsterrad gefangen fühlen.

Eine Psychotherapie zu beginnen, das bedeutet, sich selber zu reflektieren und Veränderungen zuzulassen. Unser Gehirn ist aber auf Beständigkeit angelegt und möchte nur ungern Veränderungen zulassen. Deshalb machen Veränderungen oft Angst, auch wenn eine Veränderung eine Möglichkeit bedeuten könnte, das Leben leichter zu nehmen.

Eine Psychotherapie braucht Zeit und Ausdauer. Häufig reichen allerdings wenige Einheiten, um eine Veränderung anzustoßen. Und haben Sie schon mal überlegt, wie viel Zeit Sie damit beschäftigt sind und wie Energie es Sie kostet, belastende Situationen zu verdrängen oder so zu tun, als wäre alles in Ordnung?

Häufig ist unsere größte Angst, anders zu sein und so wie wir wirklich sind, nicht akzeptiert zu werden. Man möchte nicht, dass jemand erfährt, dass wir eine Therapie angefangen haben und das muß ja auch nicht sein. Aber sich selber einzugestehen, dass man gerade alleine nicht gut weiterkommt, das ist oft der 1. wichtigste Schritt. Oft tritt danach schon die erste Entlastung ein, denn es geht sich darum, sich so anzunehmen, wie man gerade ist. Ob man leistungsfähig ist oder nicht.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit meinen Gedanken ein wenig helfen. Sollten Sie unsicher sein, ob Ihnen eine psychologische Behandlung helfen kann, rufen Sie mich gerne an. Ihre Judith Klingel